Wissenswertes über Borderline

"Borderline?- Das sind doch die, die sich ritzen oder?"

Ja und Nein. 

Heute möchte ich einfach mal über die Vorurteile der Borderline Störung aufräumen. 

Wer das Wort Borderline hört, denkt sofort, dass es sich hierbei IMMER um Menschen handelt, die sich ritzen. Das stimmt aber gar nicht. Hinter diesem Krankheitsbild steckt viel mehr und ich kläre heute mal auf! 

 

Borderline nennt man auch "emotional instabile Persönlichkeitsstörung", weil die Betroffenen instabil in Stimmung, Selbstbild und Beziehungen sind.

 

Was viele nicht wissen, ist, dass sie sich oft schon in den ersten Lebensjahren entwickeln kann, aber sich da noch nicht so bemerkbar macht, sondern erst im jugendlichen Alter. Meistens werden die Betroffenen als Kind emotional vernachlässigt und von den Eltern abgelehnt und zurückgewiesen. 

Allein dieses Verhalten der Eltern kann ein Kind schon traumatisieren, aber leider ist es häufig so, dass auch noch körperliche oder gar sexuelle Gewalt eine Rolle spielen. Hin und wieder kann es auch liebe Momente zwischen den Eltern und dem Kind geben und das Kind erfährt auf diese Weise abwechselnd Vertrauen und Misstrauen. Dieses instabile Verhalten führt dazu, dass das Kind es so übernimmt, weil es es ja so gelernt hat und leider keine Alternative kennt.

Daher kommt eben die Instabilität in Beziehungen mit den Nähe- Distanz Problemen.

 

Dadurch, dass die Eltern ihre Kinder so schlecht behandeln, denken die Kinder, sie seien wertlos.

Kinder haben (immer) das Gefühl, der Erwachsene handele richtig/ angemessen und wenn er unglücklich ist, denkt das Kind, es sei nicht in Ordnung. Das führt zu Gefühlen von Verzweiflung, Wut und Hass, weil das Kind sich eigentlich anstrengt, alles richtig zu machen und endlich angenommen zu werden.

Ein typisches Merkmal für Borderliner ist, dass sie ihre Impulse nicht unter Kontrolle haben, sprich: sie werden aggressiv und bekommen Wutausbrüche. Dieser Selbsthass führt oft zu selbstverletzendem Verhalten.

Selbstverletzungen sind für Borderliner Druckventile, denn der selbst zugefügte körperliche Schmerz lenkt von dem eigentlichen tiefen emotionalen Schmerz ab. Sie entlasten sich auf diese Weise für einen kurzen Moment. Manchmal dient es aber auch der Selbstbestrafung aufgrund von Schuldgefühlen oder sie machen es, um sich zu „spüren“, weil sie gerade nicht ganz „da“ sind (Dissoziationszustände). Selbstverletzungen folgen aber nicht immer nur durch das ritzen. Man kann alles darunter zählen, was selbstschädigend und selbstgefährdend ist z.B. riskantes Autofahren, Schlägereien, exzessiver Konsum von Alkohol, Drogen, Sex oder auch Essen. Sogar Fingernägelknabbern fällt in diese Kategorie. Nicht jeder Borderliner ritzt sich und Selbstverletzungen tauchen auch bei anderen psychischen Erkrankungen auf.

 

Die Persönlichkeitsstörungen weist eine hohe Komorbidität auf d.h., dass es ganz viele Begleiterkrankungen gibt z.B. Depressionen, Sucht, Angststörungen, Zwangsstörungen, PTBS (=Trauma) etc.

Außerdem ist sie weiter gekennzeichnet durch eine Suche nach dem Sinn und der Identität der eigenen Person bzw. des eigenen Lebens. Auffallend ist auch, dass die Betroffenen in ihren Entscheidungen, Möglichkeiten und ihrem Verhalten sehr extrem und sprunghaft sind. Sie idealisieren jemanden und ein paar Tage später werten sie ihn total ab.

Borderline gilt als eine sehr schwer heilende Persönlichkeitsstörung und dies wird in vielen Lektüren auch sehr betont, sodass, wie ich finde, es einem als Betroffener kaum Hoffung auf Heilung macht. Borderline ist aber sehr wohl heilbar und hat nicht nur negative Seiten!

Viele dieser Menschen sind sehr kreativ, empathisch, fantasievoll, leidenschaftlich und ihnen wird auch oft eine hohe Intelligenz nachgesagt!

 

Ich hoffe, ich konnte hier erst einmal einiges klarstellen und ich würde mich auch wünschen, dass ihr nun ein anderes Bild von Borderlinern habt. 


Ganz liebe Grüße,

 

 

Jule

 

 

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