Wie wirken Drogen im Gehirn?

Bei der Einnahme von psychotropen Substanzen (Drogen, Alkohol) wird der Gehirnstoffwechsel gestört. Was genau das ist, erkläre ich in diesem Beitrag.

Zuerst einmal versuche ich zu veranschaulichen, wie ein ungestörter Gehirnstoffwechsel abläuft. Alles beginnt damit, dass zum Beispiel ein Reiz durch eines unserer Sinnesorgane aufgenommen wird. Dieser wird in ein elektrischen Impuls umgewandelt und von den Nervenzellen von A nach B transportiert, damit der Reiz zum Zielort gelangen kann bzw. verarbeitet werden kann.
Die Nervenzellen sind nicht alle unmittelbar miteinander verbunden. Zwischen ihnen befinden sich kleine Lücken. Diese bezeichnet man als den „synaptischen Spalt“. Er stoppt die automatische Weiterleitung.
 
Um diesen Spalt zu überwinden, braucht man Botenstoffe, die auch Neurotransmitter genannt werden ( zum Beispiel Acetylcholin, Noradrenalin, Serotonin, Endorphin, Dopamin). Sie werden freigesetzt, wenn der Impuls/ Reiz am Ende des Nervs ankommt und gelangen in den synaptischen Spalt und gehen über zu den Rezeptoren der nachfolgenden Nervenzelle.
Sie öffnen dort quasi die Tür, um den Impuls weiterleiten zu können. Danach gehen sie in die erste Synapse zurück oder werden abgebaut.
 
Es gibt viele verschiedene Botenstoffe. Manche wirken hemmend und andere steigernd. (Einige öffnen die Tür, andere schließen sie.) Die Botenstoffe haben auch immer einen Gegenspieler. Einer gibt Gas und der andere bremst. So entsteht ein Gleichgewicht im Gehirn.
Psychotrope Substanzen greifen in diesen empfindlichen Mechanismus ein und manipulieren die Signalübertragung.
Störungen treten auf, wenn...
... zu wenige oder zu viele Botenstoffe freigesetzt werden
... Botenstoffe zu schnell abgebaut oder zurück transportiert werden

... die Botenstoffe nicht an den Rezeptor gelangen

 

 
Allerdings stören nicht nur Drogen, Alkohol, Gifte oder Medikamente diesen Ablauf, sondern auch genetische Veranlagungen und bestimmte Erkrankungen zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion → produziert zu wenig Hormone (Neurotransmitter).
Ein gestörter Tages - oder Nachtrhythmus, Mangelernährung oder psychische Belastungen setzen unter anderem Stresshormone frei, die dann für ein Ungleichgewicht im Gehirnstoffwechsel sorgen.
 
Jede Droge beeinflusst die Neurotransmitter auf unterschiedliche Weise und oft auch in mehrerer Hinsicht.
Alkohol und THC verstopft die Rezeptoren → Entspannung
Opiate schütten mehr Dopamin aus → Hochgefühl
Opiate verstopfen die Rezeptoren von Schmerzfaser- Synapsen → erhöhte Schmerztoleranz
Speed stoppt den Abbau von Transmittern im synaptischen Spalt → Dauererregung
Kokain verhindert den Rücktransport der Transmitter zur Präsynapse → Dauererregung = Hochgefühl, Euphorie
LSD schüttet Serotonin aus und öffnet die Rezeptoren → Dauererregung + Halluzination

Wer häufig konsumiert, verändert seine Gehirnstrukturen nachhaltig. Die Neurotransmitter werden entweder zu wenig oder zu viel produziert. Wenn sich die Rezeptoren vermehren, braucht der Konsument mehr von seinem Stoff, um diese zu stimulieren, was wiederum die Dosissteigerung erklärt. Die Neuronen passen sich dem ständigen Konsum an, sodass das Gehirn ohne diese Substanzen wieder aus dem Gleichgewicht gerät und nicht funktioniert. Erst mit der Droge funktioniert es wieder einigermaßen.
Viele Menschen haben schon mal gehört, dass Alkohol die Nervenzellen absterben lässt und Drogen sie „nur“ betäuben. Alkohol bleibt im synaptischen Spalt und die Zellen geben Teile ihres Schutzes ab, um den Alkohol dort abzubauen. Die Zellen verlieren so immer mehr ihres Schutzes bis sie ihre Funktion aufgeben. Bei mäßigem Konsum können die Zellen sich aber wieder regenerieren.

 
Das Belohnungssystem
Das Belohnungszentrum ist ein Teil des limbischen Systems, das für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Die ausgeschütteten Neurotransmitter stimulieren dieses Belohnungssystem, sodass dieses wiederum Dopamine freisetzt. Dopamin ist hier der Hauptakteur und ist im Volksmund auch als „Glückshormon“ bekannt.
Bei der Stimulation wird ein Teil des Zentrums aktiviert, welches dafür sorgt, dass körpereigene Opiate ausgeschüttet werden. Diese wirken beruhigend, schmerzstillend und/ oder euphorisierend.
Das Gehirn passt sich der erhöhten Ausschüttung an und verlangt immer mehr. Sobald der Spiegel sinkt, geht es uns schlecht und wir neigen dazu, es uns möglichst schnell wieder gut gehen zu lassen. Bei dem Konsum von Kokain oder Speed werden ganz viele Dopamine freigesetzt und man erlebt ein Hochgefühl. Lässt die Wirkung nach, folgt oft eine starke Depression, weil kein Dopamin mehr zur Verfügung steht. Also greift der Konsument wieder zur Droge.

Körpereigene Drogen
Angst und Unterzuckerung schüttet körpereigenes Adrenalin aus.
Körpereigenes Morphium (Endorphin) wird bei Verletzungen ausgeschüttet, weshalb die meisten Menschen nach einem Unfall erst keine Schmerzen verspüren. Es wirkt euphorisierend und schmerzlindernd.
Essen und Sex schütten Dopamin aus und es entsteht ein Hochgefühl.
Serotonin gilt als „Wohlfühlhormon“, das bei Licht am besten produziert wird. Das erklärt, warum Menschen solariumsüchtig werden können und andere in der Winterzeit unter Depressionen leiden.
Extremsportler und Magersüchtige schütten nach einiger Zeit körpereigenes Amphetamin aus.


Das war es erst einmal. Mehr über Drogen demnächst!

Liebe Grüße,

Jule

Neuigkeiten

Diese Rubrik enthält keine Artikel.