Wege aus der Essstörung!

Bevor ich hier alle Essstörungen definiere, starte ich doch lieber gleich mit den Auswegen. Die meisten Betroffenen sind ohnehin gut über ihre Krankheit informiert und nur die Kenntnis darüber bringt noch lange keine Heilung.


Man unterscheidet zwar zwischen Magersucht, Bulimie und Binge Eating, aber die Auslöser sind sich sehr ähnlich. Es sind nur drei verschiedene Arten, um negative Gefühle zu kompensieren. Diäten bieten häufig den Einstieg in dieses Szenario. Letztendlich geht aber nur um das Bedürfnis nach mehr Liebe und Anerkennung. Viele fühlen sich unzulänglich und nicht erwünscht, haben Probleme, ihrer Identität einen Sinn zu geben, lehnen ihren Körper und das Frau-sein ab und leiden an einer gestörten Beziehung zur Mutter.

Leider gibt es kein Patentrezept für die Heilung einer Essstörung und man kann auch nicht, wie Alkohol- oder Drogenabhängige komplett auf Nahrung verzichten und abstinent leben, aber Heilung ist definitiv möglich.

 

Um eine Besserung hervorrufen zu können, ist es sinnvoll, sich den Auslösern bewusst zu werden.

Der folgende Fragekatalog kann hier eine Hilfe sein. Am effektivsten ist es, sich alles schriftlich festzuhalten und regelmäßigen Abständen noch mal darüber zu schauen, um etwas zu verändern oder zu ergänzen. 

 

  • Seit wann leidest du an der Essstörung?

  • Wie hat die Essstörung angefangen? Was ist da passiert?

  • Seit wann hast du Probleme mit der Figur/ dem Gewicht?

  • Wer hatte in der Familie noch Essprobleme?

  • Wie sind deine Eltern mit dem Essen umgegangen? Musstest du alles aufessen?

  • Wie war die Atmosphäre am Essenstisch?

  • Wie bist du auf die Idee gekommen zu essen/ zu hungern?

  • Welche Zusammenhänge gibt es mit dem Essen und deinen Gefühlen?

  • Wie hat sich deine Essstörung weiterentwickelt?

  • Welche Probleme haben dazu beigetragen/ sind mitverantwortlich?

  • Glaubst du, dass die Essstörung seelische/ biologische Ursachen hat?

  • Für was brauchst du deine Essstörung?

  • Hat sich etwas in deiner Familie geändert, seitdem du essgestört bist?

  • Wer bist du ohne Essstörung?

  • Wobei steht dir die Essstörung im Weg?

  • Wobei hilft sie dir ?

  • Wenn deine Essstörung für einen Hilfeschrei steht, was glaubst du, würde sie dir sagen wollen?

  • Was ist an Tagen, an denen du normal essen kannst, anders?

 

 

Da einem dieses Wissen auch nicht immer weiterhilft, habe ich hier noch ein paar Fragen, die einem in einer Akutsituation helfen können. Frage dich vor dem Essen:

 

  • Habe ich physischen oder psychischen Hunger?

  • Wo sitzt der Drang zu essen?

  • Was fühle ich? Welches Gefühl möchte ich kompensieren?

  • Was brauche ich eigentlich?

  • Welches Bedürfnis verspüre ich gerade ?

  • Wie kann ich mir mein Bedürfnis erfüllen?


Bist du schon mitten in dem Fressanfall, versuche dein Esstempo zu verlangsamen und konzentriere dich auf den Geschmack oder unterbrich dein Essschema, indem du die Situation verlässt, das Essen wegschmeißt, du telefonierst oder dich irgendwie anders ablenkst.

 

Ich habe hier noch einige Ideen, die zur Besserung beitragen könnten:

  • Esse bewusster/ achtsamer! (z.B. Konzentration auf den Geschmack)

  • Ersetze dein Verhalten! ( z.B. Bewegung statt Essen)

  • Finde Fallen oder Auslöser! (z.B. Langeweile, Einsamkeit, Stress, Überforderung)

  • Beuge diesen Fallen vor! ( z.B. mit Beschäftigung, Gesellschaft)

  • Werde deinen Gefühlen bewusst und fühle sie auch!

  • Stell dich deinen Ängsten und Schmerzen!

  • Hinterfrage deine Lebenssituation! (z.B. Was kannst du verbessern?)

  • Finde Ventile! (z.B. Malen, Schlafen, TV, Meditation, Gesellschaft, Entspannung)

  • Rede mit Betroffenen! (z.B. in einer Selbsthilfegruppe oder über Facebook-Gruppen)

  • Wiege dich nicht!

  • Akzeptiere gelegentliche Rückfälle! (Sie weisen dich auf ein Problem hin)

  • Halte dir die Folgen der Essstörung vor Augen! ( z.B. körperliche, familiäre Probleme)

  • Kaufe dir (Hör-)Bücher zum Thema!

  • Werde selbstbewusster und behaupte dich selbst!

  • Liebe deinen Körper! ( Welche Körperteile sind schön an dir ?)

  • Liebe auch die nicht so schönen Körperteile! (Was haben diese Gutes?)

  • Erfülle deine Bedürfnisse und Sehnsüchte!

  • Glaube an deine Heilung!

  • Versuche jeden Tag wieder, sauber zu werden oder zu bleiben.

  • Du hast immer genug zu essen!

  • Hol dir Hilfe!

 

 

Das sind nur ein paar Punkten, die mir geholfen haben, denn auch ich habe manchmal noch mit der Bulimie zu kämpfen. Das wird wahrscheinlich auch immer so bleiben. Es gibt aber auch viele symptomfreie Phasen, die es dann zu genießen gilt.
Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft auf dem Weg der Heilung und hoffe, dass meine Punkte dem einen oder anderen weiterhelfen.
 

Viele Grüße,

 

 

Jule :)

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