Depressionen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Das wichtigste vorab: Depressionen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wirken sich anders aus. 

Laut der deutschen Depressionshilfe erkranken derzeit 3-10% der Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an einer Depression (siehe „deutsche Depressionshilfe“). Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren sind zu 5% betroffen.
Es ist wichtig zu wissen, dass sich Depressionen bei Kindern und Jugendlichen anders auswirken als bei Erwachsenen. Das ist auch oft der Grund dafür, dass Depressionen bei Kindern und Jugendlichen unentdeckt bleiben oder eine andere Erkrankung diagnostiziert wird (z.B. ADHS).
Von einer Depression spricht man erst, wenn die Symptome (Anzeichen) länger als 2 Wochen bestehen. Dabei müssen nicht alle Symptome auftreten. Die Diagnose kann/ sollte ein/e Psychiater/in oder Psychologe/in stellen.
Anhand dieser Symptome kann man eine Depression bei Kindern zwischen 6-12 Jahren feststellen:

  • Häufige Traurigkeit (Das Kind sagt oft, dass es traurig ist)
  • Evtl. schnell müde und erschöpft  
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen
  • Schulleistungsstörung
  • Zukunftsangst, Ängstlichkeit
  • Unangemessene Schuldgefühle und unangebrachte Selbstkritik
  • Psychomotorische Hemmung (z.B. langsame Bewegungen, in-sich-versunkende Haltung)
  • Appetitlosigkeit
  • Ein- und/ oder Durchschlafstörungen
  • Suizidgedanken
  • Veränderter Appetit – mehr oder weniger essen als sonst
  • Häufige Wutausbrüche

Eine Depression bei Jugendlichen im Alter von 13-18 Jahren macht sich an diesen Symptomen bemerkbar:

  • Vermindertes Selbstvertrauen, starke Selbstzweifel
  • Ängste, Lustlosigkeit, Konzentrationsmangel
  • Stimmungsanfälligkeit
  • Tageszeitabhängige Schwankungen des Befindens (Stimmungsschwankungen)
  • Leistungsstörung (schwächere Noten)
  • Gefühl, sozialen und emotionalen Anforderungen nicht gewachsen zu sein
  • Gefahr der Isolation und des sozialen Rückzugs (Stubenhocker?)
  • Psychomotorische Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen)
  • Gewichtsverlust
  • Schlafstörungen
  • Gesteigerter oder verringerter Appetit
  • Häufige Wutanfälle
  • Evtl. schnell müde und erschöpft
  • Suizidgedanken
  • (Eine Depression kann zu starkem Konsum von Computer, Internet, Alkohol, Drogen, Sport, Essen und Zucker führen → das könnte eine Suchterkrankung begünstigen).
     

Depressionen bei Erwachsenen:

  • Ständiges Grübeln ohne zu einem Ergebnis zu kommen
  • Schlafstörungen
  • Aufstehen am Morgen fällt schwer
  • Schnell müde und erschöpft; Gefühl der Kraftlosigkeit
  • Niedergeschlagen; traurig; Freudlosigkeit; Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Lustlosigkeit; schwer sich für es zu motivieren
  • Pessimistische Sicht in die Zukunft/ Zukunftsangst
  • Hoffnungs- und Sinnlosigkeit
  • Innere Unruhe; Entspannung fällt schwer
  • Gefühl der Wertlosigkeit; evtl. Selbstmordgedanken
  • Schuldvorwürfe und Selbstvorwürfe
  • Entscheidungen treffen fällt schwer und dauert lange
  • Fehlendes sexuelles Interesse
  • Interessenlosigkeit und fehlendes Durchhaltevermögen
  • Schnelle Verzweiflung bei kleinen Rückschlägen
  • Chronische Schmerzen (z.B. Kopfschmerzen)
  • Verdauungsbeschwerden
  • Gewichtszu- oder abnahme
     

Depressionen werden oft anhand des BDI- Tests (BDI = Beck- Depressions- Inventar) gemessen.
Den könnt ihr hier selbst einmal machen und eure Punkte zusammenzählen:
file:///C:/Users/Locke/Downloads/BDI%20Test%20%20mit%20unserem%20Emblem.pdf

Laut Auswertung:

  • 0-8: Keine Depression
  • 9-13: Minimale Depression
  • 14-19: Leichte Depression
  • 20-28: Mittelschwere Depression
  • 29-63: Schwere Depression

 

Eine Depression kann sich phasenweise verbessern oder verschlechtern. Im Winter wird die Depression bei vielen Menschen etwas schlechter. Weniger Sonne, weniger Unternehmungslust, Kälte und weniger Vitamin D- Produktion können daran schuld sein.
Trotz allem kann man lernen mit einer Depression klar zu kommen. Das Wort „heilbar“ möchte ich hier vermeiden, denn in einer Therapie lernt man eher, wie man mit den Symptomen der Depression umgehen kann und welche Ursachen zu einer Depression geführt haben. Bei einigen Menschen wirkt sich die Depression dann weniger stark aus, geht aber trotzdem nicht ganz weg. In einer Therapie lernt man auch, anders auf bestimmte Ereignisse zu reagieren, denn Rückschläge wird es immer geben. Auch Medikamente können die Besserung einer Depression begünstigen, doch trotzdem ist der Weg der Veränderung und Therapie etwas länger. Gesund werden kann man auf jeden Fall. Es gibt Menschen, die haben nach der Therapie keine Depression mehr bekommen und andere sind weniger depressiv als vorher. Das ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich.

Um eine Depression zu überwinden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann sich immer an die örtliche Psychiatrie wenden oder an örtliche psychosoziale Beratungsstellen. Es gibt auch Psychotherapeuten, bei denen man sich melden kann. Je nach Schweregrad der Depression kann man eine Therapie stationär machen und ist dann eben längere Zeit in einer Klinik (manchmal auch in einem netten Kurort weiter weg) oder man macht eine teilstationäre Therapie, bei der man dann tagsüber in der Klinik ist und abends zuhause schläft. Dann gibt es auch noch ambulante Angebote. Da geht man zum Beispiel einmal pro Woche zum/r Psychotherapeut/in.

Welche Möglichkeiten es in deiner Umgebung gibt, kann dir die Krankenkasse oft sagen oder du machst dich im Internet schlau.

Wenn man an einer Depression erkrankt ist, ist es wichtig, dass man damit nicht allein bleibt. Es gibt auch Selbsthilfegruppen, die einen da erst einmal auffangen können und die einem da etwas weiterhelfen können. Es ist wichtig seine Gedanken und Gefühle mitzuteilen, damit man damit nicht allein bleibt und dadurch dann auch etwas daran ändern kann.
Änderung ist hier das Stichwort. Therapie bedeutet Veränderung. Mit einer Depression bist du gerade unglücklich und kommst nicht weiter, deswegen brauchst du eine Veränderung und Gewohnheiten zu verändern ist kein Zuckerschlecken. Das braucht Zeit und immer wieder neue Anläufe. In der Therapie veränderst du dein Denken über dich selbst, deine Gefühle zu dir selbst und auch die Gefühle gegenüber anderen. Fühlst du dich zuhause wohl? – Nein, wie muss es dann verändert werden, damit du dich wohlfühlst? Wie ist dein soziales Umfeld? Fühlst du dich unterstützt und hast gute Freunde? Dann brauchst du nichts verändern, aber wenn du isoliert lebst, dann empfehle ich dir Kontakte und Besuche in Selbsthilfegruppen oder Sportvereinen. Wie läuft die Arbeit? Wenn es da zu stressig ist, wie kannst du es dort entstressen? Weniger Stunden machen? Eventuell den Job wechseln oder eine Umschulung machen?  Das alles ist Arbeit und benötigt Zeit, aber hinterher siehst du, dass es sich gelohnt hat und wenn du Hilfe an der Seite hast, freut sich jemand mit dir mit.

 

Liebe Grüße

 

Jule

 

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